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33 – 13 – 5 (Siebold)

Ω

Philipp Franz von Siebold
Oberst im kgl. Niederl. Indisch.
Generalstab – Erforscher Japans
Comthur und Ritter hoher Orden
geb. zu Würzburg 17. Februar 1796
gest. zu München 18. October 1866
Helene Ida Caroline von Siebold
geborene Freiin von Gagern
geb. auf Rehdorf 14. September 1820
gest. zu Wiesbaden 1. März 1877

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Helene Ida Karoline von Siebold (vw) / von Gagern (gb)

* 17.2.1796 (Würzburg)
† 18.10.1866 (München)

Allgemeine Zeitung (10.3.1877)

Verschiedenes.

(Todesfälle) Aus Wiesbaden wird uns geschrieben: Am 1 März starb dahier nach längerem Leiden die Wittwe des berühmten Gelehrten und Erforschers Japan, Philipp Franz von Siebold, Oberst beim niederländisch-indischen Generalstab, verstorben zu München den 18 October 1866, Frau Helene Ida v. Siebold, geborne Freyin v. Gagern. Sie war zu Rehdorf bei Berlin am 14 Sept. 1820 geboren und mit Ph. Fr. v. Siebold seit 1845 vermählt. Es war der edlen Frau nicht mehr vergönnt ihre Absicht auszuführen die Biographie ihres verstorbenen Gemahls zu schreiben, noch die Errichtung seines Monuments in Würzburg zu erleben. Sie hinterläßt fünf Kinder, von denen die drei Söhne im fernen Osten den Fußstapfen ihres Vaters folgen.

Allgemeine Zeitung Nr. 69. Augsburg; Samstag, den 10. März 1877.

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Philipp Franz Jonkheer von Siebold

* 17.2.1796 (Würzburg)
† 18.10.1866 (München)
Japanforscher, Mediziner und Botaniker

Der Erzähler am Main (23.10.1866)

Philipp Franz von Siebold.

Am 19. Okt. starb in München der berühmte Japanreisende und Naturforscher Oberst Phil. Franz v. Siebold im 70. Lebensjahre. Er erkrankte vor 6 Wochen, als er eben die Aufstellung seiner schönen japanesischen Sammlung in den ehemaligen Räumen »der vereinigten Sammlungen« vollendet hatte. Geboren in Würzburg, war er als Offizier in niederländischen Diensten schon vor etwa 30 Jahren nach Japan gekommen und hatte sich daselbst mit der Sprache und den Sitten des Landes so vertraut gemacht, daß er zuerst von allen Europäern dort heimisch wurde und schon seit Jahrzehnten viele merkwürdige, neue und völlig unbekannte Naturprodukte nach Europa senden konnte. Seit ungefähr 6 Jahren war er mit dieser seiner jetzt hier befindlichen Sammlung nach Europa zurückgekehrt und wollte, sobald es ihm gelungen wäre, sie an den bayer. Staat zu verkaufen, noch einmal Japan besuchen, als ihn der Tod mitten aus seiner rastlosen Thätigkeit hinwegnahm. In dieser Sammlung sieht man in anschaulicher und geschmackvoller Anordnung merkwürdige Land- und Sekarten, Geschichtsbücher und Bilderwerke japanesischer Kunst und Forschung aufgestellt, ihre Münzen und Geräthschaften, ihre prachtvollen Waffen, ihre feinen eingelegten Möbeln in den edelsten Holzarten, ihre unnachahmlichen lackirten Waaren, ihr herrliches Porzellan und ihre schön geformten Geschirre in getriebener Arbeit in Bronze, Kupfer und Silber, ihre prächtigen golddurchwirkten Seitenstoffe und vollständigen Kostüme und Prachtgewänder, ihre kostbaren Spielsachen und Nippessachen in mit Gold und Silber eingelegtem Schildkrot und endlich, was das Merkwürdigste und Kostbarste ist, viele vollständige Altäre mit ihren Heiligthümern in den edelsten Metallen, so daß man nicht begreift, wie ein Privatmann in den Besitz solcher Kostbarkeiten kommen konnte. Das Meiste sind Geschenke des weltlichen und des priesterlichen Kaisers von Japan oder anderen Fürsten und Großen daselbst, denen Hr. v. Siebold als Konsul oder Dolmetscher, Diplomat und Europäer von Einfluß Dienste erwiesen; besonders aber hatte er sich den Dank des weltlichen Kaisers durch eine neue Berechnung des Münzfußes erworben, wodurch er großem Schaden vorbeugte, der den Japanesen durch ihre Unkenntniß des Werthes der edlen Metalle in Europa erwachsen wäre, als die europäische Spekulation vor Kurzem Eingang in Japan gefunden hat. Außer seiner ethnographisches Sammlung hinterläßt Herr von Siebold auch viele Manuskripte und eine reichhaltige Bibliothek. Es soll der bayerischen Kammer der Abgeordneten bei ihrem nächsten Zusammentreten ein auf den Ankauf der Sammlung bezüglichen Auftrag von der Regierung gemacht werden.

Der Erzähler am Main No. 121. Belletristische Beilage zur »Neuen Aschaffenburger Zeitung«. Dienstag, den 23. Oktober 1866.

Das Bayerland (1896)

Philipp Franz v. Siebold.*

Zur Feier seiner hundertjährigen Geburtstags.
Von J. Gebhardt.

*Unter Benützung der Broschüre »Denkwürdigkeiten aus dem Leben und Wirken von Philipp Franz v. Siebold zur Feier seines hundertjährigen Geburtstags.« Von v. Siebold, kaiserl. japan. Legationsrat. (Würzburg, Verlag von Leo Wörl.)

In einen Zeitpunkt, wo die Blicke Europas und besonders die der Seehandel treibenden Nationen sich dem fernsten Osten zuwenden, fällt die Säkularfeier des Geburtstages eines bayerischen Gelehrten und Reisenden, den man mit Recht als den intellektuellen Urheber der in Japan eingeführten europäischen Reformen ansehen darf.

Der berühmte Reisende und Naturforscher Philipp Franz v. Siebold, Oberst beim niederländisch-indischen Generalstab, stammt aus einer fränkischen Gelehrtenfamilie. Er wurde zu Würzburg am 17. Februar 1796 als Sohn des Professors der Medizin und Chirurgie Johann Georg Christoph v. Siebold geboren, der mit Apollonia, geb. Stang, vermählt war.

Seine erste Erziehung genoß Philipp Franz v. Siebold, dessen Vater schon im Jahre 1798 gestorben war, unter der Obhut seines Oheims, des Domkapitulars Lotz in Würzburg. Er widmete sich fünf Jahre lang an der Universität seiner Vaterstadt dem Studium der Medizin und der Naturwissenschaften und erwarb sich die Doktorwürde im Jahre 1820.

Als flotter Student gehörte er dem Corps Moenania an, dem er zeitweise als Senior vorstand und stets die wärmste Anhänglichkeit bewahrte. Er verstand es jedoch, ernstes Studium mit dem frischen, fröhlichen studentischen Treiben zu vereinen.

Nachdem v. Siebold den Doktorgrad erlangt hatte, verblieb er nur kurze Zeit als praktischer Arzt in Heidingsfeld und verließ im Jahre 1822 mit Erlaubnis des Königs von Bayern sein Vaterland, um im Auftrage der Gesellschaft für Naturgeschichte zu Frankfurt und der kaiserlichen Akademie für Naturwissenschaften in Wien eine Reise nach niederländisch Indien zu unternehmen. Zu diesem Zwecke bewarb er sich um eine Anstellung als Militärarzt im niederländisch-indischen Dienste und hatte die Befriedigung, bereits am 21. Juli 1822 durch kgl. Erlaß zum »Chirurgyn-Major« in der niederländisch-indischen Armee ernannt zu werden.

Der 22. September, welcher ihn an Bord der »jongen Adriane« brachte, war für sein Leben ein merkwürdiger Tag. Dieselbe war ein gut ausgerüstetes Fregattenschiff von 400 Tonnen, befehligt von Kapitän Bonn, einem guten Seemann, mit dem geziemenden Ernste des Schiffers die feinste Leutseligkeit vereinigend. Die Schiffsequipage belief sich auf 29 Köpfe, und außerdem waren noch 100 Soldaten, 4 Offiziere und einige Frauen und Kinder an Bord.

Schon während dieser Reise machte Siebold, wie die zurückgelassenen Notizen beweisen, naturwissenschaftliche Studien, die er nach seiner Ankunft auf Java auf das eifrigste fortsetzte. Seine Ankunft daselbst erfolgte Anfang April 1823, und er wurde durch Beschluß des General-Gouverneurs vom 18. April dem 5. Artillerie-Regiment zu Weltefreden zugeteilt. Es bot sich ihm aber dort, nach kaum einmonatlichcm Aufenthalt, die seltene Gelegenheit, das bis dahin fast ganz unerforschte Japan kennen zu lernen. Es wurde ihm von dem Generalgouverneur Baron van der Capellen angeboten, die neue, nach Japan abgehende holländische Mission zu begleiten und dort in der Eigenschaft als Arzt bei der Faktorei auf Dezima zu bleiben und sich im Auftrage der Regierung mit wissenschaftlichen, namentlich aber mit naturwissenschaftlichen Studien zu beschäftigen. Man wußte, daß einzelne Japaner europäische Wissenschaften schätzten, daß das Volk überhaupt wißbegierig und mit den Niederländern auf Dezima in gutem Einvernehmen stand. Medizin, Naturgeschichte und Mathematik waren bei diesem wißbegierigen Volke von jeher beliebt, und ob es nun aus wissenschaftlichem oder einem andern Interesse geschah, so waren gebildete Personen bei der niederländischen Faktorei den Japanern stets willkommen gewesen, und Ärzte besonders wurden gut aufgenommen. Man glaubte daher, durch die Sendung eines Arztes und Naturforschers auch die handelspolitischen Absichten zu unterstützen und zugleich nützliche Ergebnisse für die naturhistorischen und ethnographischen Wissenschaften zu erzwecken. Mit Freuden nahm v. Siebold einen Ruf an, der so ganz seinen Wünschen entsprach und dem Ziele, das er sich bei seiner Reise nach Ostindien vorgesteckt, so nahe brachte. Die Reise war äußerst mühselig und gefahrvoll; man denke an die langsam segelnden, von allerlei tropischem Ungeziefer wimmelnden Schiffe, das schlechte Trinkwasser und die noch schlechtere Kost.

Am 5. August wurden die Schiffe an der Küste von Japan von einem Cyklon, der in den dortigen Gewässern Taifun genannt wird, überfallen, und hätte derselbe bald Schiffe und Reisende vernichtet. Das kräftig gebaute Schiff widerstand dem Anprall der Elemente und führte seine Reisenden am 11. August 1823 glücklich nach dem Hafen von Nagasaki.

So war Siebold glücklich am Ziel seiner Wünsche angelangt und er begab sich sofort an die Arbeit, welche nicht nur durch das Mißtrauen der Japaner, durch die despotische Strenge, mit welcher die Niederländer fast von allem Verkehr mit den Eingebornen abgeschnitten waren, sondern auch durch die kleinlichen Intriguen und Eifersüchteleien seiner europäischen Schicksalsgenossen auf Dezima erschwert wurde. Die dortigen japanischen Dolmetscher, welchen die holländische Sprache fast geläufiger war als Siebold, hatten bald Verdacht geschöpft, daß er kein Nationalholländer wäre. Bei der etwas mangelhaften Kenntnis der Geographie jedoch wurde den Beamten erklärt, daß der Unterschied einfach darin bestände, daß Siebold kein Niederdeutscher oder Niederländer sei, sondern ein Hochdeutscher, und zum Übersetzen dieses Begriffes bediente man sich des eigentümlichen Ausdrucks Yama Hollanda, d. i. »Bergholländer oder wilder Holländer«.

Über Siebolds Thätigkeit in Japan besitzen wir eine interessante Urkunde in dem Schreiben, welches er am 18. November 1823 an seinen Onkel Adam Elias v. Siebold richtete. – Er schreibt u. a.: »Ich bin glücklich auf Japan angekommen und verlebe in meiner rastlosen Thätigkeit im Felde der gesamten Natur- und Heilkunde die angenehmsten Tage meines Lebens. Das merkwürdigste Land der Welt zu untersuchen ward mir demnach zu teil. – –Im nächsten Jahre werde ich Ihnen eine interessante Abhandlung über den Zustand der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe in Japan mitteilen und dieselben jährlich fortsetzen. Ich erwarte einen Zeichner aus Europa, der mir dabei von Nutzen sein wird. Ich habe eine Dissertation geschrieben »de Historiae naturalis in Japonia statu etc.« Ich habe 25 bis jetzt in keinem Schreiben über Japan als daselbst einheimisch bemerkte Tiere beschrieben. – – – Ich habe noch viele zoologische Entdeckungen und bei weitem mehr botanische (gemacht). – – Ich halte hier wöchentlich Vorlesungen in holländischer Sprache über Natur- u. Heilkunde. Unter 6 Jahren verlasse ich Japan nicht und auf keinen Fall eher, bis ich eine ausführliche Beschreibung von Japan, ein Museum Japonicum und eine Flora geliefert habe, und dann glaube ich, in Europa unserem Namen Ehre zu machen.« Als Postscriptum erwähnt er bescheiden: »Ich habe die Vaccine (Kuhpockenimpfung) auf Japan eingeführt.« — Diese für Japan unermeßliche Wohlthat ist übrigens auch durch eine Eingabe Siebolds an die Regierung zu Yedo [historischer Name für Tokio] dokumentarisch nachweisbar.

So befand sich Siebold inmitten einer ihm zusagenden Thätigkeit — seine Beziehungen zu den japanischen Gelehrten und Ärzten waren die denkbar besten. Selbst die strengen Regierungsbeamten drückten ein Auge zu, gestatteten ihm nach und nach täglich den Ausgang von Dezima, wo die übrigen Mitglieder der Faktorei inklusive des »Opperhofds« wie Staatsgefangene bewacht, nur ein- oder zweimal des Jahres die Insel verlassen durften und zwar nur unter polizeilicher Bedeckung. Siebold erwarb damals die heute noch im Besitz der Familie verbliebene Villa zu Narutaki, selbstverständlich unter einem japanischen Namen, und dort versammelten sich seine Schüler; aus allen Landesteilen strömten Kranke hin, und dort kamen alle Wiß- und Lehrbegierigen zusammen, um den fremden »Meester«, wie sie ihn nannten, zu sehen und zu hören. Es war eine geistige Mission im wahren Sinne des Wortes. In der Chirurgie hatte er sich besonders der Augenheilkunde gewidmet und darin Erfolge erzielt. Die den japanischen Ärzten ganz unbekannten Staaroperationen, wodurch manchem Erblindeten das Augenlicht wiedergegeben wurde, stempelten Siebold in den Augen des Volkes zu einem wahren »Wunderdoktor« im besten Sinne des Wortes. — Heute noch zirkulieren im Volksmunde die fabelhaftesten Legenden über Kuren, die er vollbracht, und über die Zahl der Menschenleben, die er durch seine Geschicklichkeit gerettet hätte. Da viele seiner Schüler selbst ältere Mediziner waren, welche bereits einen Kreis von eigenen Schülern besaßen, so schwollen die Anhänger der neuen wissenschaftlichen, oder wie sie es nannten, der holländischen Schule (im Gegensatze zur chinesischen Schule, die von ihnen heftig bekämpft wurde) lawinenähnlich an, und die Wurzeln dieser Vereinigung drangen bis in die entferntesten Provinzen und Schutzländer Japans. So war es auch nur möglich, daß sich die während eines siebenjährigen Aufenthalts gesäte Saat verbreiten und in den Boden eindringen konnte. Bis in die jüngste Zeit findet man, selbst in den höchsten Regierungskreisen, noch Männer, welche von Schülern Siebolds ihren ersten Begriff über europäisches Wesen und westliche Wissenschaft erhielten, und diesen Männern verdankt Japan seinen überraschenden Umschwung und Fortschritt. Siebold besaß aber auch in seiner vielseitigen Bildung die Elemente, welche die wißbegierigen Japaner anzog, und in seinem leutseligen Wesen, verbunden mit einer sorgsamen Rücksicht auf alles, was dem Japaner heilig und hehr ist, Eigenschaften, welche ihm den Erfolg sichern mußten. (Fortsetzung folgt.)

Das Bayerland No. 29. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 7. Jahrgang 1896.

Das Bayerland (1896)

Philipp Franz v. Siebold.

Zur Feier seiner hundertjährigen Geburtstags.
Von J. Gebhardt.
(Schluß)

Von Anfang an hatte er sich zum Prinzip gemacht, keinerlei Entgelt für seine Krankenbehandlung anzunehmen, während er selbst mit Geschenken aller Art freigebig vorging. Die von Natur generös angelegten Japaner konnten und wollten nun hierin nicht zurückbleiben und überhäuften ihn mit Geschenken, die aber immer einen ethnographischen Wert oder wissenschaftliches Interesse haben mußten, um Annahme zu finden. Während nun die damalige Regierung auf das strengste den Verkauf von allen die Verwaltung, Topographie oder Geschichte des Landes betreffenden Werken an Ausländer verboten, auch alle auf Religion, Kriegskunst und das Hofleben bezüglichen Gegenstände als sekret erklärt hatte, eine Verordnung, welche soweit ging, daß die Ausfuhr von Götzenbildern, Waffen, Münzen, Karten und der meisten Bücher (mit Ausnahme solcher ganz unschädlichen Inhalts) verboten wurde, und daß selbst bei kleinen Modellen und bei Spielsachen die Miniaturwaffen bei der Ausfuhr abgenommen werden mußten, gelang es Siebold, in dieser Hinsicht eine außerordentlich reichhaltige Sammlung zusammenzustellen. Mancher geheime Wunsch des »Meesters« wurde von den dankbaren Schülern und Patienten verraten, und die »Dissertationen«, welche die auf ein Doktorzeugnis aspirierenden Studenten machen mußten und zu denen Siebold das Thema angab, enthielten meistens wissenschaftliche Beiträge zur Kenntnis des Landes, seiner Gesetze, Geschichte, Sitten und Gebräuche (in holländischer Sprache), welche sonst von den amtlichen Spionen der sogenannten Ometskés auf holl. Dwarskykers kaum durchgelassen worden wären. Endlich erfolgte 1826 die Gesandtschaftsreise nach Yedo an den Hof des Shoguns, der damals von Ausländern als sogen. weltlicher Kaiser, als der wirkliche Regent des Landes anerkannt war. Siebold, begleitet von einer Anzahl seiner ergebensten Schüler und einem vorzüglichen Maler, wurde es vergönnt, diese interessante Reise mitzumachen.

Am 15. Februar verließ die Gesandtschaft Nagasaki, reiste über Shimonoseki und Osaka nach Kioto, der alten Kaiserstadt, und traf nach einer langen Reise zu Land und Wasser in Yedo ein, wo die Audienz bei dem Shogun nach dem hergebrachten japanischen Ceremoniell stattfand, nämlich so, daß die Niederländer auf allen Vieren kriechend sich vor dem Fürsten verbeugen mußten, der dann geruhte, die mitgebrachlen Geschenke, nach japanischer Auffassung ein Tribut, huldvollst entgegenzunehmen. Der Aufenthalt in Yedo war zwar kurz, doch genügte er, um mit den Leibärzten des Shoguns Freundschaft zu schließen und die Bekanntschaft verschiedener Gelehrter zu machen, unter welchen die des Hofastronomen Takahashi Sakusayemon später für diesen wie für Siebold selbst verhängnisvoll werden sollte.

Eine große Freude bereitete Siebold der bereits 1825 auf Dezima angelegte botanische Garten, wo er die von der Reise mitgebrachten Pflanzen kultivierte und dabei namentlich auch die Gebirgsflora genau kennen lernte. Um diese Zeit sollen wahrscheinlich die ersten Sendungen von Theesamen nach Java, wo sie zuerst in dem Garten von Buitenzorg angesät und später für den niederländischen Staat in seinen indischen Kolonien verbreitet, eine neue Quelle des Reichtums wurde. Die botanischen und naturhistorischen Sammlungen, welche v. Siebold während seines Aufenthaltes machte, standen kaum gegen die ethnographischen und literarischen zurück. Eigens angestellte Jäger durchstreiften die Wälder, und eigens instruierte Assistenten präparierten die Bälge und Skelette der zoologischen Beute. Japan war aber auch damals eine wahre Fundgrube für den Natursorscher, und Siebold behauptete später, daß man sich dort nur zu bücken brauchte, um ungezählte Schätze vom Boden aufzuheben.

Seine geographischen Forschungen hatten zu der wichtigen Entdeckung geführt, daß die Insel Sachalin, oder wie sie die Japaner nennen, Karafuto, nicht mit dem Festlande Asiens zusammenhing, wie die Entdccknngsreisenden bis dahin angenommen hatten, und die von ihm entdeckten Karten des Amurgebietes und der nördlichen, an Japan grenzenden Gebiete veranlaßten eine vollständige Umwälzung in den geographischen Begriffen über die Konfiguration des nordöstlichen Asiens. Zu diesen Arbeiten hatten die Aufnahmen des japanischen Geographen und Entdeckungsreisenden Mamia Rinzo und des oben erwähnten Hofastronomen Takahashi Sakusayemon nicht wenig beigetragen. Schon waren die interessantesten Karten und Aufnahmen in Händen Siebolds, und er selbst mit Hilfe eingeborener Dolmetscher beschäftigt, die Tagebücher und Notizen der Reisenden zu übersetzen, als durch eine Verräterei, deren Urheber nie nachgewiesen wurde, die Forschungen Siebolds der Regierung zu Dedo denunziert wurden.

Über die gegen ihn eingeleitete Untersuchung schreibt v. Siebold so schonend wie möglich seiner Mutter in demselben Briefe:

»Durch Verrat wurde am Hofe des Kaisers (Shoguns) bekannt, daß ich von dem kaiserlichen Bibliothekar und Astronomen eine Kopie der kaiserl. Landkarten des Reiches erhalten habe, eine Angelegenheit im Auge einer so kleingeistigen Regierung und Verfassung vom größten Gewicht. Es findet daher eine strenge Untersuchung statt — wobei die meisten meiner braven japanischen Freunde in strenger Gefangenschaft sich befinden und auch mir seit zwei Monaten ein Hausarrest aufgelegt und befohlen ist, bis zur Beendigung der Untersuchung in Japan zu bleiben. Seit diesem verhängnisvollen Tage wurde ich unabgebrochen vor dem japanischen Statthalter von Nagasaki verhört und zu einem Geständnisse der Angabe derjenigen Japaner, welche mich seither in meinen wissenschaftlichen Untersuchungen unterstützt haben, genötigt. Doch diese Angabe der Namen meiner Freunde, welche mir oft ganz anspruchslos so viele große Dienste seit meinem Hiersein geleistet haben, blieb bis heute in mir verschlossen und wird es bleiben.«

Die von der japanischen Regierung gegen Siebold eingeleitete Untersuchung hatte bald sehr ernste Folgen. Die meisten seiner Schüler wurden gefangen genommen, die Gelehrten, mit denen er in Yedo korrespondiert hatte, verhört und bei Siebold wiederholte Haussuchung gehalten, wobei eine Anzahl von verbotenen gottesdienstlichen und anderen wertvollen Gegenständen konfisziert wurde. Die Dienstboten wurden sämtlich gefänglich eingezogen und mittels der landesüblichen Tortur auf das fürchterlichste gequält.

Die niederländischen Behörden, denen der Vorfall äußerst ungelegen kam, hüteten sich zu intervenieren und überließen Siebold seinem Schicksale. Über den Verlauf der Untersuchung finden wir in den hinterlassenen Schriften Siebolds ausführliche Notizen. — Am 28. Januar 1829 wurde ihm eröffnet, daß er das Land nicht verlassen dürfe. Am nächsten Tage wurde er vor den Gouverneur von Nagasaki geführt und einem strengen Verhör unterworfen, wobei er alles aufbot, seine Freunde, namentlich den kaiserlichen Astronomen Takahashi Sakusayemon zu retten. Diese Verhöre wiederholten sich von Zeit zu Zeit, und zugleich fanden wiederholte Durchsuchungen seiner Wohnung statt, wobei mancher wertvolle Gegenstand, dessen Besitz vielleicht nicht einmal gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstieß, weggenommen wurde. Die Voruntersuchung schien die japanischen Behörden auf den Gedanken gebracht zu haben, daß ein schweres Staatsverbrechen, vielleicht der Plan, das Land an einen auswärtigen Feind zu verraten, zu Grunde liege.

Am 22. Februar bemerkte man, daß die Insel Dezima durch Wachtboote beobachtet wurde; einige Tage darauf wurden die Wachen an den Thoren verdoppelt, und die Magazine auf der Insel, worin auch ein Teil der Sammlungen Siebolds aufbewahrt war, wurden ebenfalls auf das genaueste durchsucht, und nach und nach der wertvollste Teil seiner Sammlungen, auch viele seiner literarischen Schätze und Notizen konfisziert. Gleichzeitig kamen wiederholt Hiobsposten von Schülern und Freunden, welche durch die Untersuchung in das größte Unglück gestürzt worden waren. Siebold verwendete einen großen Teil seiner Ersparnisse dazu, um die Not der Gefangenen zu lindern und ihre Familien zu unterstützen. Er hatte beinahe die Hoffnung verloren, je sein Vaterland wieder zu sehen; denn in seiner Erinnerung tauchte jenes blutige Drama auf, welches vor Jahren auf Dezima sich abgespielt hatte, als einige des Schleichhandels verdächtige Japaner am Fuße des niederländischen Flaggenmastes in Gegenwart der Niederländer zur Warnung gegen die Übertretung der japanischen Verordnungen hingerichtet worden waren.

So zog sich die Untersuchung durch Monate hin, und erst im Juni 1829 wurden einige seiner Diener aus dem Gefängnisse entlassen, während seine Lieblingsschüler dort zurückbehalten wurden. Nachdem aber die fortgeführte Untersuchung keine neuen belastenden Beweise für den angeblichen Landesverrat geliefert hatte, und bei den Japanern selbst sich nach und nach Stimmen erhoben, welche in Anbetracht der vielen Dienste, welche Siebold als Arzt und als Gelehrter dem Lande geleistet hatte, um Gnade für ihn baten, wurde er am 22. Oktober wiederum vor den Gouverneur geführt, welcher ihm namens der Regierung mitteilte, daß er für ewig aus dem Lande verbannt sei und dasselbe bei der nächsten Gelegenheit verlassen müsse.

Was während dieser Zeit hinter den Koulissen gespielt hat, und wieviel blutige Opfer die Untersuchung unter seinen japanischen Freunden gefordert, ist Siebold nie bekannt geworden. Der Hofastronom Takasaki scheint jedenfalls dabei umgekommen zu sein, und viele von Siebolds Freunden schmachteten lange Jahre im Gejängnis. Merkwürdigerweise waren es aber gerade die Landesfürsten, welche im Gegensatze zu der Regierung des Shoguns sich der Verfolgten annahmen. Viele seiner Anhänger fanden ein Asyl bei den Daimios, namentlich bei den Fürsten von Satzuma und Uwajima, wo sie später Schulen und Lehranstalten nach europäischem Muster gründeten. Siebold verließ am 30. September Dezima und begab sich an Bord des niederländischen Schiffes zur Rückkehr nach Batavia. Tief gerührt war er, als am 31. früh ein kleines Fischerboot bei seinem Schiffe anlegte und einer seiner Freunde, als Fischer verkleidet, ihm Lebewohl wünschte. Heimlich landete Siebold noch einmal beim Fischerdorfe Kosedo, wo er einige seiner wieder freigelassenen Schüler antraf und unter schwerem Herzen sich von ihnen verabschiedete. —

Am 2. Januar verließ er Japan und kam schon am 28. Januar auf der Rhede von Batavia an. Hier gelang es ihm, sich beim Generalgouverneur vollständig zu rechtfertigen, und es wurde ihm gestattet, mit den Überresten seiner Sammlungen und seiner gerettete» Manuskripte nach den Niederlanden zurückzukehren.

Am 15. März verließ er Batavia und traf am 7. Juli in Vließingen ein.

Als die Nachricht von seiner Gefangenschaft eingetroffen war, galt er seinen Freunden als verloren, und bei dem mangelnden Interesse, welches die niederländischen Behörden bezüglich seiner Befreiung an den Tag gelegt hatten, wäre es auch kein Wunder gewesen, wenn er seine allzu eifrige Wißbegierde in Japan mit seinem Leben hätte bezahlen müssen.

Tief gerührt ward Siebold durch die Mitteilung, die er aber erst nach seiner Rückkehr erhielt, daß König Ludwig I. von Bayern, als er von Siebolds Verhaftung Nachricht erhalten hatte, auf diplomatischem Wege sich an die niederländische Regierung gewendet und dieselbe für das Leben seines Unterthans verantwortlich gemacht hatte.

Der Empfang, welcher ihm in Holland zu teil wurde, entschädigte ihn jedoch vielfach für die erlittenen Qualen, und die niederländische Regierung gab ihm nicht nur unbegrenzten Urlaub zur Herausgabe seiner wissenschaftlichen Werke und zur Ordnung seiner Sammlungen, sondern unterstützte ihn auch auf jede mögliche Weise und überhäufte ihn, nachdem die Resultate seiner Forschungen nach und nach in die Öffentlichkeit gedrungen waren, mit hohen Ehren. Erst nachdem er einen Teil seiner wissenschaftlichen Arbeiten vollendet, kehrte er auf kurze Zeit zum Besuche seiner Verwandten nach Bayern zurück, wo er am Hofe zu München gleichfalls eine ausgezeichnete Ausnahme fand.

Nachdem er die Ausstellung seiner Sammlungen vollendet hatte, widmete Siebold sich ganz der literarischen Thätigkeit: der Herausgabe seiner Werke über Japan. An der Spitze steht das Nippon-Archiv zur Beschreibung von Japan in 9 Abteilungen. Ferner nennen wir als seine Hauptwerke die Fauna und Flora Japonica, sowie seinen Atlas des Japanischen Reichs. Auf seiner Villa bei Leyden, wo er sich neben dem neubegründeten Jardin d’Acclimatation ein Heim geschaffen hatte, entwickelte sich, wie einst auf der Villa bei Nagasaki, ein reges wissenschaftliches Leben. Seine Karten waren bis auf die neueste Zeit mustergiltig und bildeten sogar die Grundlage für die englischen Admiralitätskarten.

Im Jahre 1845 hatte er sich mit Helene Ida von Gagern vermählt und seine junge Frau nach seiner Besitzung Nippon bei Leyden heimgeführt. Nur kurz dauerte der Aufenthalt in Holland, dessen feuchtes Klima auf die Dauer der Gesundheit Siebolds nicht zuträglich war. Er richtete wieder seine Blicke nach Deutschland und entdeckte am Rhein in dem alten Kloster St. Martin bei Boppard einen ihm zusagenden Ruhesitz, wo er ungestört seine Studien fortsetzen und seine Werke vollenden konnte. Hier genoß er auch im Spätherbst seines Lebens an der Seite seiner gemütsvollen edlen Gattin das glücklichste Familienleben, das leider nur zu oft für ihn durch Reisen nach Holland und den verschiedensten Hauptstädten Europas, wo er ein gern gesehener Gast war, unterbrochen wurde.

Im Jahre 1853 wurde Siebold nach Rußland gerufen, um, wie der Minister des Äußern sich ausdrückte, Auskunft über Fragen zu geben, die außer ihm niemand beantworten konnte. Es handelte sich um wichtige Grenzfragen mit China im Amurgebiet, die der Generalgouverneur von Ostsibirien, Graf Murawiew, der später wegen seiner Erfolge den Titel Amurski erhielt, für die Befestigung der Macht Rußlands in Ostasien und sein Vordringen bis an den stillen Ozean im Auge hatte. Diesem Staatsmann gelang es nur, mit seinen Ansichten in St. Petersburg durchzudringen, als Siebold auf Grund seiner geographischen Forschungen den Nachweis geliefert hatte, daß die Pläne Murawiews nicht nur ausführbar, sondern auch China gegenüber diplomatisch vertretbar wären. Diese Vorarbeiten führten bekanntlich zur Anlegung von Forts am Amur und zum Vertrage von Aigun, wobei China an Rußland das ganze linke Amurgebiet abtrat und Rußland einen enormen Gebietszuwachs erhielt, aus dem heute seine Machtstellung in Ostasien begründet ist.

Im Jahre 1854 wurde Japan dem Weltverkehr erschlossen, und die Schranken fielen. Bei dieser Gelegenheit gelang es der niederländischen Regierung ebenfalls, einen günstigen Vertrag mit dem Taikun (oder Shogun) abzuschließen, und durch einen Austausch von diplomatischen Noten wurde auch das Verbannungsurteil gegen v. Siebold aufgehoben.

Jetzt erwachte bei dem 63jährigen Manne frische Jugendkraft, und nichts konnte ihn zurückhalten, sein geliebtes Japan noch einmal zu besuchen. Doch da bei der Regierung Bedenken gegen seine sofortige Verwendung in diplomatischer Eigenschaft obwalteten, mußte er vorerst in einer handelspolitischen Stellung hinziehen, und die niederländische Handels-Maatschappy bot dazu die Hand, indem sie ihm die Stellung eines Adviseurs bei ihrer dort neu zu errichtenden Handels-Agentur übertrug. Im April 1859 verließ er Bonn, wo seine Familie zurückblieb, und nahm seinen damals erst 13½jährigen ältesten Sohn mit in das Land seiner Hoffnungen. — Am 5. August morgens fand die Landung zu Nagasaki statt. Siebold war tief ergriffen; so durfte er das Land seiner Jugendkämpfe als Greis wieder betreten. Bald verbreitete sich das Gerücht von der Ankunft des alten »Meesters«, und von allen Seiten strömten ehemalige Schüler, Freunde und Anhänger herbei. Es gab rührende Szenen des Wiedersehens, aber auch traurige Erinnerungen, als Siebold nach der Schar seiner Freunde frug, deren Zahl durch die Zeit und Verfolgung stark gelichtet war. Nach japanischer Sitte knieten die Besucher zu seinen Füßen und legten ihr Haupt flach auf den Boden, ihre Ehrerbietung durch ein stummes Verbeugen bezeigend, welches nur durch ein demonstratives Ein- und Ausatmen der Luft unterbrochen wurde, das sich wie ein tiefes Stöhnen anhörte.

Die friedlichen Studien, die Siebold nunmehr wieder aufnahm, wurden bald gestört durch die wilden Unruhen, welche der Kampf zwischen Shogun und Mikado in Japan hervorrief. Sein politisches Wirken rief bald die Eifersucht des niederländischen diplomatischen Agenten hervor; die niederländische Regierung lockte ihn durch Versprechungen nach Java zurück. Dort angekommen, fand er, daß man ihn absichtlich oder unabsichtlich getäuscht hatte. Von seiner Ernennung zu einem diplomatischen Posten war keine Rede mehr, der ihm in Aussicht gestellte Posten existierte überhaupt nicht mehr.

Es blieb ihm nichts übrig, als nach Holland zurückzukehren, wo er, tief gekränkt, mit der Regierung eine höchst peinliche Auseinandersetzung hatte, die in der Einreichung eines Entlassungsgesuches ihr Ende fand. So kehrte er nach seiner Vaterstadt Würzburg zurück, stellte dort zuerst seine prachtvolle ethnographische Sammlung auf, welche er später dem bayerischen Staat abtrat, der sie unter den Arkaden zu München aufstellen ließ.

Nebenbei beschäftigte Siebold sich mit der Weiterausgabe seiner Werke, unterhielt durch Vermittelung seines Sohnes eine rege Korrespondenz mit Japan und fand Gelegenheit, bei den Großmächten für die friedliche Entwickelung der politischen Verwickelungen zu wirken und bei mancher bisher unbekannt gebliebenen Gelegenheit diplomatisch in den ostasiatischen Angelegenheiten einzugreifen. Während dieser Zeit beschäftigten seinen Geist zwei Pläne, welche, wenn zur Ausführung gelangt, gewiß einen großen Einfluß auf die Gestaltung der Dinge in Japan gehabt hätten. Der erste war die Einführung des deutschen Militärsystemes in Japan durch die Anstellung einer Anzahl bayerischer Offiziere und Unteroffiziere als Instrukteure in japanischem Dienst, eine Aufgabe, welche leider damals Frankreich sich aneignete und die zur Vermehrung dessen politischen Einflusses beitrug, und das zweite Projekt war die Gründung einer großartigen Handelsgesellschaft, verbunden mit einer Schule für Handelswissenschaften in Nagasaki.

Diese Pläne sollten Siebold zum drittenmale nach Japan führen, wenn ihn nicht inmitten der Vorbereitungen zu dieser Reise der Tod in München am 18. Oktober 1866 seinen großartigen und weitsichtigen Plänen entrissen hätte.

Es war ihm gestattet, in seinem Vaterlande seine letzten Tage zu verleben, und sein letztes Werk, die Ausstellung seiner ethnographischen Sammlungen, war also ein Werk, welches Bayern zu gut kam.

Das Bayerland No. 30. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 7. Jahrgang 1896.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Siebold Philipp Franz Jonkheer, von, 1796 (Würzburg) – 1866, Japanforscher, Mediziner und Botaniker; Sohn des Würzburger Universitätsprofessors der Medizin Johann Georg Christoph von S., studierte er in seiner Heimatstadt Medizin, ging 1822 nach den Niederlanden und von da als Sanitätsoffizier nach Batavia; 1823 kehrte er als japanischer Gesandter zurück, unternahm aber 1859 eine zweite Japanreise, trat dort sogar in die Dienste des Taikun und kehrte erst 1862 nach Europa zurück, wo er sich in München niederließ; seine naturgeschichtlichen Sammlungen besitzt Leiden.

Hauptwerke: Nippon, Archiv zur Beschreibung von Japan, mit Atlas, 2 Bde., Flora japonica, Bibliotheca japonica, lithographiert von dem Chinesen Kotsching-Dschang, Epitome linguae japonicae; S., der auch mit dem Botaniker J. G. Zuccarini zusammenarbeitete, gilt heute noch als authentischer Japanforscher.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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