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Familie
Gerdeissen
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* 24.12.1880 (München)
† 8.10.1902 (München)
Opernsängerin
Bayerische Chronik.
München, 10. Dezember.
Erfolg einer Münchenerin. Eine reichbegabte Elevin der hiesigen Akademie der Tonkunst, Frl. Elsa Gerdeissen (Klasse Günzburger), hat kürzlich in Regensburg bei einer Aufführung des Oratoriums »Paulus« von Mendelssohn, veranstaltet vom »Liederkranz Regensburg«, mit schönem Erfolg mitgewirkt. Dortigen Zeitungsberichten ist zu entnehmen, daß die vielversprechende Sängerin ein umfangreiches, äußerst biegsames und klangschönes Organ mit echtem Alt-Timbre besitzt, sowie daß ihre Technik völlig einwandfrei ist. Ihr im Ausdruck kraftvoller Vortrag sei sicher in der Tongebung, verständig in der Abstufung der Tonstärke und bekunde feinen Geschmack.
Allgemeine Zeitung Nr. 340. München; Montag, den 10. Dezember 1900.
Feuilleton.
Kgl. Akademie der Tonkunst. Das dritte diesjährige Konzert von Schülern der Kgl. Akademie der Tonkunst ging gestern Abend im Odeonssaal unter der Leitung Prof. Bußmeyers vor sich. Es nahm einen guten Verlauf, der die Lehrer wie die Schüler gleich ehrt; die Ausführung der verschiedenen, zum Theil recht schwierigen Werke bewies, daß ein strenges, eingehendes Studium vorangegangen war. Zufälligkeiten und kleine Entgleisungen wird man gerade Schülern am wenigsten anrechnen – erleben wir doch bei den fertigsten Künstlern, von einem ganzen Orchester zu schweigen, zuweilen Konzerte, die an diese Schüleraufführungen nicht heranreichen. Der Eifer und die junge Lust, womit Alle an ihre schöne Arbeit gehen, ersetzt viel akademische, leider oft staubige Korrektheit, und so war es auch gestern mehr als nur ein Pflichtgenuß, womit man den verschiedenen Gaben zuhörte.
Die frische Wiedergabe einer Symphonie in G-dur von Haydn eröffnete das Konzert. Hierauf sang Elsa Gerdeissen, eine angehende Künstlerin, der wir schon früher begegnet sind, die Arie »Ach nur einmal noch im Leben« aus »Titus« von Mozart; die Stimme hat viel Klang, und da die junge Dame sie verständig zu behandeln weiß – das Tremolo setze ich auf Rechnung der Befangenheit – und mit Geschmack vorträgt, so erscheint der herzliche Beifall, den sie erntete, durchaus am Platze.
Allgemeine Zeitung Nr. 119. München; Dienstag, den 30. April 1901.