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11 – 3 – 49·52 (Weis)

Ω

Hier ruht
der Hochwürdige Herr
Joseph Weis,
Päpstl. Geheimkämmerer
k. Geistl. Rath, Ritter des
Verdienstordens v. hl. Michael I. Cl.
Gründer u. Präses d. Marienanstalt
München u. Warnberg,
welcher am 13. November 1895
in seinem 79. Lebensjahre
selig im Herrn entschlafen ist.

Pertransiit benefaciendo
Apostelg. 10.38.

R. I. P.

Ω

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Josef Weis

* 8.1.1817 (Waldeck/Opf.)
† 13.11.1895 (München)
Katholischer Geistlicher

Neues Münchener Tagblatt (17.11.1895)

Hochwürden Herr geistl. Rath Josef Weis †.

Wehret die Thränen nicht, Ihr Kleinen, Euch ist der beste, treueste, zärtlichste Vater genommen! Weinet um ihn, Ihr hilfsbedürftigen, altersschwachen Dienstboten, Euch ist ein liebender Helfer, der Tröster in Alter und Noth entrissen, und Ihr viele Tausende und Abertausende schutzlose Mädchen, die Ihr Asyl und Pflege in dem Hause gefunden, von dem vier Jahrzehnte hindurch so unendlich viel Segen ausgegangen, beklagt den Hingang eines Mannes, wie es wenige gibt auf Erden! Der hochwürdige geistliche Rath, päpstlicher geheimer Kämmerer und — wie er am Liebsten sich nennen hörte — Präses der Marienanstalt, Herr Josef Weis ist nicht mehr. Im hohen Alter von 79 Jahren, aber dennoch zu früh für die Tausende seiner Verehrer und Schützlinge, hat er am Mittwoch Abend nach schwerem Leiden sanft und friedvoll, wie er gelebt, seine segensreiche Laufbahn beschlossen.

Herr Präses Weis ist als Sohn eines Lehrers zu Waldeck in der Oberpfalz am 8. Januar 1817 geboren. Der Werktagsschule entwachsen, begann er seine Studien am Gymnasium zu Bayreuth, von wo aus er in das Lyzeum zu Amberg übertrat. Im Jahre 1843 wurde er zu Regensburg zum Priester geweiht und wirkte dann als Kooperator in Oberviechtach, in Weiden, sowie in Tirschenreuth, überall das beste Andenken hinterlassend.

Im Jahre 1853 wurde der hochwürdige Herr nach München an die hl. Geistpfarrei als Prediger berufen, woselbst er zugleich den Religionsunterricht an der Realschule übernahm, welches Lehramt der nun Verblichene 25 Jahre lang bekleidete.

Trotz all' dieser Thätigkeit war der Drang seines Herzens, sein Leben der hilfsbedürftigen, nothleidenden Menschheit zu widmen, unerfüllt geblieben. Da entschloß sich der edle Mann, mit den wenigen Mitteln, die ihm durch äußerste Sparsamkeit zu Gebote standen, den Grund zu legen zu einer Wohlthätigkeitsanstalt, die heute so großartig herangediehen ist, daß ihr nur wenige an die Seite zu stellen sind. Am 12. Oktober 1856 war es, da bezog der edle Priester im Hause Nr. 9 an der Karlsstraße eine Wohnung im vierten Stocke und nahm daselbst vier alte, verdienstunfähig gewordene weibliche Dienstboten, 2 Kinder, sowie eine kleine Zahl stellenloser Mädchen zu Unterkunft und Pflege auf.

Das war der Anfang zur Marienanstalt. Heute zeugt ein großartiges, vielstöckiges Gebäude an der Dachauerstraße (Nr. 58), daß Gottes Segen auf dem frommen, mildthätigen Unternehmen ruhte und daß ein Werk gediehen ist, das als ein leuchtend Beispiel in seiner Art dasteht. Der Wahlspruch des Verlebten war: »Bet' und arbeit« und mit Bezug auf seine stetig gedeihende Anstalt pflegte, er zu sagen: »Wir müssen arbeiten, um Gutes thun zu können!« Das war sein Programm, er hat es getreulich als ein ächter Gottesmann erfüllt.

45 fromme Schwestern, die in der Anstalt Dienste leisten, hat er selbst herangezogen zum werkthätigen Dienste der Nächstenliebe. Zur Zeit sind 70 Zöglinge im Hause, die Zahl der armen alten Dienstboten, welche in der Anstalt ihr Leben beschlossen, beträgt nicht weniger als 160. Sie Alle genossen bis zum Ende ihrer Tage völlig unentgeltlich Pflege und Unterkunft.

Im Jahre 1860 erbaute Herr Präses Weis die Hälfte des jetzigen Hauses an der Dachauerstraße, im Jahre 1884 vollzog sich der Ausbau der zweiten Hälfte zum jetzigen Bestand.

Im Jahre 1884 verkaufte der unermüdliche Wohlthäter einen Theil des zur Anstalt gehörigen großen Gartens an der Briennerstraße und erstand dann aus dem Erlöse das Gut Warnberg bei Solln (ehedem eine Jesuiten-Niederlassung). Hier richtete er eine Haushaltungsschule für Mädchen ein, in welcher z. Z. 48 Zöglinge Unterricht und Pflege genießen. Zu all' diesen großen Unternehmungen beanspruchte der Verlebte fremden Beistand fast gar nicht. Alles entnahm er den eigenen Mitteln und sorgte als praktischer Hausvater mit Umsicht dafür, daß seine Anstalten durch die in denselben geförderte Arbeit sich selbst erhielten und entwickelten.

So haben in den nahezu 40 Jahren des Bestehens der Anstalt ungefähr 70,000 dienstsuchende Mädchen Schutz und Pflege genossen. Ein Riesenwerk christlicher Charitas. Im Jahre 1893 feierte der nun Entschlafene sein 50jähriges Priesterjubiläum. Da zeigte sich's so recht, welch' unbegrenzte Verehrung der stille, bescheidene Mann genoß. Von allen Seiten, nach vielen Tausenden zählend, kamen Glückwünsche und Zeichen der Verehrung. In den letzten Lebensjahren fing der unermüdlich thätige Mann zu kränkeln an und seit dem Februar dieses Jahres, wo ihn eine Lungenentzündung schwer auf's Krankenlager warf, konnte er sich nicht mehr erholen. Die Kräfte waren aufgezehrt und ein neuer Anfall von Lungenentzündung, von welcher der ehrwürdige Priestergreis in den letzten Tagen befallen wurde, führte sein Ende herbei. Ganze Berge von Blumenspenden, die im Trauerhause aufgestapelt sind, bekunden die Trauer, welche in weitesten Kreisen herrscht um den geliebten, hochverdienstvollen Todten, dessen Lebensziel bei persönlicher Bescheidenheit, Selbstlosigkeit, ächter Frömmigkeit und Milde nur eines war: werkthätige Menschenliebe! R. I. P.

Neues Münchener Tagblatt Nr. 323. Sonntag, den 17. November 1895.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Weis Josef, 1817 (Waldeck/Opf.) – 1895, katholischer Priester, königlicher Geistlicher Rat, päpstlicher Geheimkämmerer und Begründer sowie Präses der Marienanstalt in München; dieser Lehrerssohn hatte als junger Kaplan in Oberviechtach (Opf.) die Not zweier alter Dienstboten kennengelernt, die ihr ganzes Leben in der Großstadt redlich dienten und, nun alt geworden, keine Bleibe mehr dort hatten und in ihre Heimatgemeinde abgeschoben wurden; als W. 1853 als Stadtpfarrprediger nach München, Hl. Geist (wo er Präses der dortigen Wallfahrerbruderschaft war und das katholische Kasino, Hl. Geist begründete), kam, erinnerte er sich des traurigen Schicksals der Dienstboten und hat nach langen Mühen und Schwierigkeiten schließlich am 12. X. 1856 die Marienanstalt an der Dachauer Str. 58 in München gegründet, die heute noch besteht und die Betreuung alter Hausgehilfinnen, die Beherbergung stellenloser Mädchen, die Erziehung junger Dienstmädchen und die Vermittlung von weiblichem Hauspersonal zum Zweck hat.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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