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6 – 9 – 55·56* (Hierl · Hoffmann)

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Das Grab ist nicht erhalten

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Karl Ritter von Hoffmann

* 2.12.1832 (Regensburg)
† 3.2.1903 (München)
Regimentsarzt-Sohn / General

Münchner Neueste Nachrichten (2.12.1902)

Lokales.
München, 1. Dezember.

General der Infanterie z. D. Karl Ritter v. Hoffmann, ein durch Bildung und Gelehrsamkeit nicht minder als durch ganz hervorragende Tapferkeit ausgezeichneter Offizier, einer der wenigen Träger der höchsten militärischen Auszeichnung, des Militär-Max Josef-Ordens, blickt morgen, 2. Dezember, auf 70 Jahre eines höchst verdienstvollen Lebens zurück. Am 2. Dezember 1823 als Sohn eines Regimentsarztes in Regensburg geboren, wurde der Jubilar nach dem Besuche des Kadettenkorps und der Artillerie- und Ingenieurschule 1853 zum Unterleutnant im 2. Infanterie-Regiment ernannt und wurde nach kurzer Dienstleistung als zweiter Platzadjutant der Festung Germersheim, 1856 in das topographische Bureau des Generalquartiermeisterstabes berufen. 1861 wurde er zum Oberleutnant im 13. Infanterie-Regiment befördert. Den Feldzug 1866 machte er im Hauptquartier des Oberkommandos mit. Als Hauptmann und Kompagniechef im Infanterie-Leib-Regiment nahm er am Feldzuge 1870/71 ehren- und ruhmvollen Antheil. 1871 wurde von Hoffmann als Lehrer der Taktik an die Militär-Bildungsanstalten berufen. Am 11. Dezember 1872 wurde er Zum Major im Generalstab befördert, 1875 als erster Generalstabsoffizier zum Generalkommando des II. Armeekorps versetzt, 1876 zum Oberstleutnant befördert und als solcher zwei Jahre darauf zur Zentralstelle des Generalstabs versetzt. 1879 wurde Hoffmann zum Obersten und Kommandeur des 4. Infanterieregiments, 1885 zum Generalmajor á. l. s. der Armee befördert und im gleichen Jahre noch zum Kommandeur der Festung Ulm ernannt. 1886 wurde v. Hoffmann das Kommando der 6. Infanterie-Brigade übertragen. Am 3. März 1890 erfolgte die Beförderung zum Generalleutnant, im gleichen Jahre die Ernennung zum Kommandeur der 3. Division und am 23. Mai 1893 die ehrenvolle Berufung als Chef des Generalstabs mit gleichzeitiger Wahrnehmung der Geschäfte des Inspekteurs der Militär-Bildungsanstalten. In dieser wichtigen und verantwortungsvollen Stellung blieb er bis zum Januar 1895, in welchem Monat er unter Genehmigung seines Abschiedsgesuches unter Verleihung des Charakters als General der Infanterie zur Disposition gestellt wurde. v. Hoffmann sicherte sich als Militär-Schriftsteller einen unbestrittenen Ruf. Unter Anderem ist er der Verfasser der Geschichte des 4. Infanterie-Regiments, eines äußerst gediegenen, hochinteressanten Werkes. Zur Anerkennung seiner hervorragenden wissenschaftlichen Thätigkeit ehrte ihn die Universität Erlangen durch Verleihung des Titels eines Dr. phil. hon. c. Die Militärische Gesellschaft München sieht in ihm ihren verdienten Gründer. Im Feldzuge 1870/71, in dem er die heldenmüthige 9. Kompagnie des Infanterie-Leib-Regiments anführte, that sich der Jubilar durch eine heldenhafte Tapferkeit hervor, insbesondere in den Schlachten und Gefechten von Wörth, Villepion, wo er die schwer bedrohte Batterie des Prinzen Leopold mit Muth und Ausdauer deckte, Sedan und Beaumont. In letzteren beiden Schlachten trug er schwere Verwundungen davon. Hohe Auszeichnungen lohnten seine Tapferkeit.

Münchner Neueste Nachrichten No 559. Dienstag, den 2. Dezember 1902.

Münchner Neueste Nachrichten (6.2.1903)

Lokales.
München, 5. Februar.

General der Infanterie z. D. Karl Ritter v. Hoffmann †.

Mit den höchsten militärischen Ehren, die in der bereits angekündigten Art erfolgten, wurde der durch eine außerordentliche Tapferkeit, durch hohe Bildung und Gelehrsamkeit ausgezeichnete Offizier heute Nachmittag im südlichen Friedhose zu Grabe getragen. Unter Vorantritt der Kapelle des Infanterie-Leib-Regiments, die einen Trauermarsch intonierte, setzte sich der glänzende Trauerzug nach dem Grabe in Bewegung. Der Musikkapelle reihte sich der Bayerische Veteranenverein Feldzugssoldaten der kgl. Haupt- und Residenzstadt München an. Der Sarg, ven sechs Unteroffiziere trugen, war mit Generalshut, Säbel, den auf samtnem Kissen ruhenden vielen Orden und den von Sr. kgl. Hoheit dem Prinz-Regenten und dem Prinzen Leopold gewidmeten Kränzen geziert. Hinter dem Sarge schritt nach den nächsten Angehörigen als erster der Vertreter des Regenten Generaladjutant Freiherr v. Branca. Ihm folgte Prinz Leopold mit seinem Adjutanten Freiherrn v. Perfall, in Vertretung des Prinzen Arnulf dessen persönlicher Adjutant Major v. Pflaum, der Kriegsminister Freiherr v. Asch, der Generalkapitän der Hartschiere, General Graf Verri della Bosia, Stadtkommandant General Freiherr v. d. Tann, die gesamte Generalität der Münchner Garnison, darunter die beiden Ritter des Militär-Max-Joseph-Ordens, Generale v. Fleschuez und v. Nagel, die sämtlichen dienstfreien Offiziere des Infanterie-Leib-Regiments, Offiziere aller anderen hiesigen Truppenteile, Mitglieder der Geographischen Gesellschaft und des Veteranen- und Kriegervereines der Haupt- und Residenzstadt München u. s. w. Flambeautragende Feldzugsveteranen und die Unteroffiziere und Mannschaften der 9. Kompagnie des Infanterie-Leib-Regiments, die der Verstorbene im glorreichen Feldzuge 1870/71 von Sieg zu Sieg geführt hatte, umstanden das Grab. Dieses zeigte eine prächtige Dekoration mit militärischen Emblemen und Gewehrpyramiden, an einem hochragenden und weit ausladenden Gerüst Kranz an Kranz, gewidmet von Prinzen des königlichen Hauses, von der 6. Division, von den Offizieren des Generalstabs, der Militärbildungsanstalten und des Kadettenkorps, von den Offizierkorps des Infanterie-Leib- und 4. Infanterie-Regiments, vom Kriegsarchiv u. a. Ein prächtiger Kranz trug die vielsagende Schleifeninschrift: »Der letzte Offizier der 9. Kompagnie des Infanterie-Leib-Rogiments vom Jahre 1870/71 dem heldenhaften, tapferen Hauptmann«. Als der Sarg ins Grab gesenkt wurde, ertönten knatternde Gewehrsalven und vom Schyrenplatz her erdröhnte dumpfer Kanonendonner. Nach Beendigung der Exequien nahm Dompropst Dr. Lechner das Wort zu einer kurzen Gedächtnisrede, in der er ausführte, es sei der ausdrückliche Wunsch des Verstorbenen gewesen, daß an seinem Grabe von ihm und über ihn nichts geredet werde. Nur zwei Daten könne er anführen, als ersten den 2. Dezember 1832, den Tag der Geburt, und als zweiten den 3. Februar 1903, den Sterbetag. Diese kurzen Daten seien so recht bezeichnend für den Charakter des Dahingeschiedenen, für seinen Soldatencharakter: kurz und bündig; was dazwischen liegt, ist Dienst, Dienst, dem er sein ganzes Leben in treuer Hingabe weihte, im Krieg und Frieden.

Nachdem der Geistliche mit dem rituellen Gebete geschlossen hatte, trat Hauptmann und Kompagniechef Frhr. v. Freyberg an den Grabeshügel mit den Worten: »Auf das Grab des berühmten Hauptmannes, des unvergleichlichen Führers und Vorkämpfers ihrer Kompagnie im Kriege 1870/71 legt die 9. Kompagnie des Infanterie-Leib-Regimentes diesen Kranz nieder als Zeichen ihrer tiefen Trauer, aber auch ihrer unauslöschlichen Verehrung für den entschlafenen Helden«. Namens des Veteranenvereins Feldzugssoldaten widmete der erste Vorstand Rentier Pierling »dem Helden von Villepion« eine Kranzspende. Nachdem noch die Vereinigung ehem. Angehöriger der bayerischen Besatzungsbrigade Metz in München einen Kranz niedergelegt hatte, traten die Leidtragenden ans Grab, um Erde auf den Sarg zu werfen, zuletzt die Soldaten der 9. Kompagnie des Infanterie-Leib-Regiments, Mann für Mann; alle hatten sie mit Stolz und Verehrung auf den Helden blicken können. (Die ausführlichen Lebensdaten haben wir in der Nr. 559 der »M. N. N.« vom 2. Dezember 1902 gebracht.)

Münchner Neueste Nachrichten No 60. Freitag, den 6. Februar 1903.

 



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