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AA – 2 (Ertel)

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Die Grabinschrift ist nicht erhalten

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Traugott Leberecht von Ertel

* 29.9.1778 (Oberforchheim bei Freiberg in Sachsen)
† 8.2.1858 (München)
Techniker

Denkwürdige Bayern (1865)

Traugott Leberecht Ertel,

Inhaber des mathematisch-mechanischen Instituts in München, Ritter des k. k. russischen St. Wladimir- und des bayr. Civilverdienst-Ordens, geboren am 29. September 1778 als der Sohn eines armen Bergmanns und Strumpfwirkers zu Forchheim bei Freiberg in Sachsen, bis zu seinem sechzehnten Jahre in landwirthschaftlichem niederm Dienst im Hause seiner Verwandten verwendet, trat zu Freiberg in Dienste eines Büchsenmachers, und nach seiner nach fünf Jahren erfolgten Freisprechung und einer Wanderung durch Oesterreich und Ungarn zu Wien (1804. 1805) in das Gewerbe der Instrumentenmacher, in welchem er sich in Schweinfurt und namentlich in Würzburg so ausbildete, daß ihm gerathen wurde, in dem damals schon in gegründetem Ruf stehenden Reichenbach'schen Institute in München Aufnahme zu suchen.

Es gelang und unter der Leitung Ulrich Schiegg's, und durch Uebung im Zeichnen und Studium der Mathematik brachte er es bald dahin, daß seine Arbeiten die Anderer übertrafen. Diese Leistungen bewogen Reichenbach, ihn in sein mathematisch-mechanisches Institut als Theilnehmer aufzunehmen (1815). Später wurden ihm Instrumente für die polytechnische Schule in Wien zu fertigen und dort aufzustellen vertraut, deren ausgezeichnetes Gelingen unsern Landsmann Prechtl, Direktor jener Anstalt veranlaßte, ihm die Stelle eines Werkmeisters mit 2000 fl. Gehalt zu verschaffen (1819). Ertel aber kehrte mit halbjährigem Urlaub nach München zurück, um dort noch einige Arbeiten zu vollenden (1820). Da nun in diesem Jahre Reichenbach zum Direktor des Straßen- und Brückenbaues ernannt wurde, und daher sein Institut aufgeben wollte, so übernahm Ertel dasselbe gegen 30,000fl. und führte es nun auf eigene Rechnung fort. Er errichtete hiefür ein eignes Gebäude mit Nebengebäuden, in welchem Prägwerke, Pumpen, hydraulische Pressen und Werkstätten waren, und führte sein Geschäft mit solcher Ausdehnung, daß er fortwährend an 100 Arbeiter beschäftigte, und in alle Theile Europas, namentlich nach Rußland die besten astronomischen und mechanischen Instrumente lieferte, die ihm nicht nur Auszeichnungen aller Art, unter Anderm bei der Münchener Industrie-Ausstellung die goldene Medaille, bei der Londoner Industrie-Ausstellung 1851 und in Paris 1854 den ersten Preis für ein astronomisches Universalinstrument, sondern auch europäischen Ruf und damit vielfältige Bestellungen erwarben und die Vergrößerung seiner Anstalt möglich und räthlich machten.

Bei der Einrichtung der neuerbauten Sternwarte in Pulkowa 1834 fertigte er auf Veranlassung des berühmten Astronomen Struve einen großen Verticalkreis nebst vielen andern Instrumenten, für deren geniale Konstruktion er die große goldne Medaille mit dem Bilde des Kaisers von Rußland erhielt. Die Sternwarten in Washington, Rom, Pesaro, Bologna, Göttingen, Greenwich, Leyden, Seeburg, Altona erholten von ihm Instrumente, deren Tüchtigkeit sich auch bei den preußischen Basismessungen, wie bei den spanischen Landmessungen auf's Vortheilhafteste bewährte. Für die Münzstätten zu München, Athen und Warschau lieferte er die Prägwerke.

Er starb nach kurzem Krankenlager am 8. Febr. 1858 geliebt und beweint von seiner Umgebung wegen seiner tiefen Religiosität und einfachen Anspruchslosigkeit. Nach seinem Tode übernahm sein Sohn Georg Ertel, der schon seit 1834 mit ihm associrt war, die Leitung seines weltberühmten Institutes, das nun nach Brasilien, Spanien, England, Neapel, Piemont, Neufchatel, Melbourne in Südaustralien seine überall mit größtem Beifall aufgenommenen mechanischen Werke zu versenden hatte. Nach dessen Tode ging das Institut in die Hände des jüngsten Sohnes von Traugott Ertel, Gustav Ertel, geboren 1829, der gleichfalls bei seinem Vater gebildet war, über, und wurde von ihm mit demselben Ruhme fortgeführt, den es durch seinen Gründer erhalten hatte, wie neue Aufträge nach Asien, Kalifornien, Spanien und Italien beweisen.

Pleickhard Stumpf: Denkwürdige Bayern. Kurze Lebensbeschreibungen verstorbener verdienter Männer, die in dem Ländergebiete des jetzigen Königreiches Bayern geboren oder durch längern Aufenthalt ihm angehörig waren. München, 1865.

Allgemeine Deutsche Biographie (1877)

Ertel: Traugott Leberecht von E., † am 8. Februar 1858 als Inhaber und Leiter des Reichenbach'schen mathematisch-mechanischen Instituts zu München, hatte sich durch eigene Kraft zu einem der vorzüglichsten Vertreter der praktischen Mechanik im Gebiete der Präcisionsinstrumente emporgearbeitet. Er war am 29. September 1778 zu Oberforchheim bei Freiberg in Sachsen als der Sohn eines Bergmanns und Strumpfwirkers geboren und fand vom 7. bis zum 16. Lebensjahre gegen die Verpflichtung, sich zu bäuerlichen Diensten verwenden zu lassen, bei einem in der Nähe von Freiberg ansässigen Bruder seines Vaters Verpflegung und nothdürftigen Schulunterricht. Nur mit Mühe erhielt er 1793 von diesem Oheim die Erlaubniß in Freiberg das Gewerbe eines Zeugschmiedes erlernen zu dürfen. Nach fünffähriger Lehrzeit und hierauf erfolgter Freisprechung durchwanderte E. Oesterreich und Ungarn und trat 1804 zu Wien in das Gewerbe der Instrumentenmacher ein. Als er sich daselbst zwei Jahre lang mit der Anfertigung chirurgischer Instrumente beschäftigt hatte, ging er 1806 nach München und erhielt daselbst, auf Empfehlung des am k. k. polytechnischen Institute zu Wien wirkenden Professors Arzberger, eine Stelle als Gehülfe des bereits rühmlich bekannten mechanischen Instituts von Reichenbach. Mit rastlosem Eifer war hier E. bestrebt, die ihm noch mangelnden Kenntnisse und Fertigkeiten in Mathematik und im Zeichnen durch Privatstudium sich zu erwerben, und er hatte das Glück, sich hierbei der Unterstützung des durch seine Basismessung bekannten Professors Schiegg zu erfreuen. In Folge der so erlangten wissenschaftlichen Einsicht in den Bau und den Gebrauch der Meßinstrumente gelang der Geschicklichkeit und dem Talente Ertel's sehr bald bessere Arbeit als seine Genossen zu liefern und sich die Zuneigung Reichenbach's in solchem Grade zu erringen, daß dieser ihn 1815 als Theilnehmer in sein Institut aufnahm, das von nun an die Firma »Reichenbach u. Ertel« führte. Im J. 1819 hatte dieses Institut die ehrenvolle Aufgabe zu lösen, die mechanische Werkstätte des polytechnischen Instituts zu Wien für die Anfertigung geodätischer und astronomischer Meßinstrumente einzurichten und die hierzu nöthigen Hülfsmaschinen zu liefern. E. erfüllte diese Aufgabe unter Reichenbach's Leitung mit so glücklichem Erfolge, daß er auf Antrag des Directors Prechtl unter dem 30. Juni 1820 die Stelle eines Werkmeisters der mathematisch-astronomischen Werkstätte des polytechnischen Instituts mit einem pragmatischen Gehalte von 2000 fl. erhielt. Da jedoch E. in seinem eigenen Geschäfte noch mehrere bedeutende Bestellungen zu vollenden hatte, kehrte er gegen Ende des J. 1820 mit halbjährigem Urlaube nach München zurück, ohne wieder in seine amtliche Stellung in Wien einzutreten; denn Reichenbach, der unterdessen zum Director des baierischen Brücken- und Straßenbauwesens ernannt worden war, wollte seine industrielle Thätigkeit selbst auf die Gefahr hin aufgeben, daß Baiern ein so vorzügliches Institut wie das seinige verlieren würde. Dieser Umstand und das Zureden von Freunden, worunter Fraunhofer, bestimmten E., das ihm schon theilweise gehörige Institut ganz auf eigene Rechnung zu übernehmen. Von da ab arbeitete er ganz selbständig und erweiterte ein Geschäft immer mehr und zwar nicht blos in Bezug auf Präcisionsinstrumente, sondern auch in Hinsicht auf Kraft- und Arbeitsmaschinen, wie Prägwerke, Pumpen, hydraulische Pressen, Feuerspritzen etc., wofür er verbesserte Einrichtungen erfunden hatte. Mit mehr als hundert Arbeitern konnte er kaum den Bestellungen genügen, welche von allen Theilen der Erde einliefen und ihm die schwierigsten Aufgaben stellten. Namentlich war es Rußland, das ihn stark in Anspruch nahm, indem es seine astronomischen, geodätischen und nautischen Institute mit Reichenbach-Ertel'schen Instrumenten ausrüsten ließ; aber auch die meisten Sternwarten und topographischen Bureaux in Deutschland, England, Italien, Spanien, Amerika und Australien ließen ihre Meridiankreise, Passageninstrumente, Basisapparate, Theodolithen, Spiegelkreise etc. bei E. anfertigen. Diese Bestellungen und deren Ausführung, Aufstellung und Prüfung veranlaßten eine beträchtliche Correspondenz mit den bedeutendsten Astronomen und Geodäten, und es sind deren zahlreiche Briefe an E. fast eben so viele ehrenvolle Zeugnisse für die hohe Achtung, in welcher er, der Praktiker, bei den Männern der Wissenschaft stand. An diese Zeichen der Werthschätzung reihten sich jene, welche E. von gekrönten Häuptern erhielt und wovon hier nur die baierischen und russischen Orden erwähnt werden sollen, mit deren Verleihung die Erhebung des Decorirten in den persönlichen Adelstand verbunden war. E., der sein ganzes Leben hindurch von einer wahren Frömmigkeit erfüllt war und bei allen Ehren und Geldmitteln stets die größte Einfachheit und Bescheidenheit an den Tag legte, hatte sich bereits im J. 1808 mit Katharine Rukert aus Homburg verheirathet. Aus dieser fast fünfzig Jahre andauernden glücklichen Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen jedoch keines mehr am Leben ist. Der älteste Sohn Georg, seit 1834 Theilnehmer und von 1858 an einziger Besitzer des väterlichen Geschäftes, verstand es dessen guten Ruf zu erhalten. Als aber auch er (1863) im schönsten Mannesalter starb und das Erbe des Vaters dem Bruder Gustav hinterließ, konnte dieses nur mehr mit fremder Hülfe geleitet werden, wie es auch jetzt, zwei Jahre nach dem Tode dieses letzten Ertel'schen Sohnes, der Fall ist und noch so lange geschehen soll bis der einzige noch lebende Enkel das berühmte Institut seines Großvaters zu übernehmen und hoffentlich auch in dessen Geiste zu leiten im Stande sein wird.

Bauernfeind.

Carl Maximilian von Bauernfeind: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1877.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Ertel Traugott Leberecht, von, 1778 (Oberforchheim bei Freiberg in Sachsen) – 1858, Mechaniker und Techniker; E., in Wien und Budapest vielseitig geschult, ließ sich 1804 als Instrumentenmacher in Wien nieder, trat nach Fortbildung in Budapest 1806 in die Werkstätte von Reichenbach, Utzschneider und Liebherr ein und wurde dort bald die erste Kraft; seiner Geschicklichkeit und Tätigkeit wegen nahm ihn Reichenbach nach Ausscheiden Liebherrs und Utzschneiders 1815 als Teilhaber in sein Institut auf, das E. 1821 völlig übernahm; unter ihm erfuhr das nach ihm später benannte Institut einen bedeutenden Aufschwung, so daß es immer mehr erweitert werden mußte; Es. Instrumente wurden z. B. an der Sternwarte Sydney, für Bessels ostpreußische Gradmessung und bei den Triangulationen des amerikanischen Coast and Geodetic Survey verwendet; die Triangulierung in Bayern wurde mit Es. Repetitionstheodoliten ausgeführt, ebenso später in Baden, Württemberg, Spanien und Italien; als E. »starb, beschäftigte er an die 100 Arbeiter und hinterließ eine in der Welt führende Firma«.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



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