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VIRTUTI ET QUI¿
MAXIMILIANI EX COMITIBUS DE ARCO
EQUITES HIEROSOLYMITANI
SUIQUE ORDINIS QUAMDIU IS STETIT
AD
MAXIMILIANUM IOSEPHUM REGEM
LEGATIONE HONORATI
HIC
CONTRA RHAETIOS PERDUELLES AGMINE DUCTO
DUM FORTITER PRAELITAUR
PLUMBEAE GLANDIS ICTU
FIDEI PRO PATRIA
AMORIS IN CIVES
VICTIMA OCCUBUIT
IDIBUS AUGUSTI MDCCCIX AETATIS SUAE XXXVII
PARENTES ET FRATRES COLLACRYMANTES POSUERE
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Arco, Maximilian Graf; 6.1.1772 (München) – 12.8.1809 (Schwaz), fiel im Kampf gegen den Tiroler Volksaufstand; Geheimrats-Sohn / Oberst
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* 6.1.1772 (München)
† 12.8.1809 (Schwaz), fiel im Tiroler Volksaufstand
Geheimrats-Sohn / Oberst
Zwei Arco.
Als der französische Marschall Franz Joseph Lefebvre, Herzog von Danzig, abermals Tirol ränmen mußte, erhielt der Oberst Maximilian Graf Arco Befehl sein Corps nach Schwaz zu führen, um dort die Verbindung mit Hall und Volders, sowie mit Rattenberg zu unterhalten. Am 12. August 1809 abends 9 Uhr brach Graf Arco von Wiltau auf, zog in Hall das bisher dem Oberst Karl Grafen von Oberndorff überlassene Geschütz an sich, sowie in Kohlsaß das ganze Oberndorff'sche Corps und kam, nur von einzelnen Schüssen der Insurgenten beunruhigt, am 13. über Pill hinaus gegen die sogenannte Kreuzkapelle. Hier ritt Oberst Graf Arco voraus, um in Begleitung seines funktionierenden Generalstabsoffiziers des tapfern Hauptmanns Karl Baur und seines Adjutanten Lieutenant Joseph Villeneuve des Reserve-Bataillons vom 1. Linien-Infanterie-Leib-Regiment (heute 1. Infanterie-Regiment »König«), welcher ungeachtet seiner Verwundung den geliebten Führer nicht verließ, den Verhau bei der Kapelle näher zu erkunden. Da fuhr plötzlich aus dem Gebüsch ein Kugelregen der versteckten Rebellen. Es fiel getötet das Pferd des Hauptmanns Baur, bald auch tödlich getroffen der ritterliche Graf Arco.
So endigte auch dieser aus Liebe für Fürst und Vaterland sein Leben in demselben Lande, in welchem am 23. Juli 1703 unsern der »reißenden Wand« bei Zirl zum Schutze seines geliebten Kurfürsten Maximilian Emanuel einer seiner ruhmvollen Ahnen, der Kammerherr Graf Ferdinand von Arco, durch die Hand eines Tiroler-Schützen gefallen war!
Das Vaterland trauerte, im dankbaren Hinblicke auf die Thaten dieses Helden, bei der Kunde von seinem Tode. Freiwillig hatte Arco alle Annehmlichkeiten des Lebens gegen die Gefahren des Krieges vertauscht und sich durch Tugend, Geistesgaben und Heldensinn die Liebe und Achtung seines Königs erworben. Das dankbare Vaterland aber wird dem gefallenen Helden ein ebenso unvergängliches als ehrenvolles Andenken erhalten.
Die letzten Ehren.
Als am 13. August 1809 der Oberst Max Graf Arco von den Tiroler Insurgenten bei Schwaz tot geschossen wurde und vom Pferde stürzte, trat sogleich der Pionier Anton Seibold der Oberstlientenant-Kompagnie des 1. Linien-Infanterie-Leib-Regiments (heute 1. Infanterie-Regiment »König«) von Kellershof, Bezirksamts Tölz, hervor, lud ihn auf seine Schultern und trug ihn aus dem Gedränge. »Laß ihn doch liegen,« sagten einige seiner Kameraden, »er ist ja doch schon tot.« »Wenn auch,« antwortete jener, »so sollen ihn die Bauern doch nicht haben, und wir wollen ihn wenigstens mit Ehren begraben.«
Seibold erhielt hierfür die silberne Militär-Verdienst-Medaille.
Der Bayerische Soldat im Felde. Erster Band. München, 1898.
Maximilian Graf Arco.
Zu seinem 100jährigen Todestage, 13. August 1809.
Wenn wir den südlichen Friedhof in München bei dem Seiteneingang betreten, der ihn von der Thalkirchnerstraße zum Glockenbach durchquert, gewahren wir zur Rechten ein Grab, das unsere Aufmerksamkeit erregt. Es ist ein schlichtes antikes Grabhaus, die Nische birgt die Büste eines Mannes in römischer Gewandung. Wer er sei, wessen Namens und Geschlechtes, kündet ein ansehnlicher Grabstein, aber leider in schwülstigem Latein, so daß dem Volke eigentlich verborgen bleibt, daß hier der Sprosse eines der edelsten Grafengeschlechter Bayerns, ein tapferer Kriegsheld des letzten Jahrhunderts ruht, der sein Leben in der Blüte seiner Jahre dem Vaterlande opferte. Wenn heute die Tiroler ihrer Helden gedenken, die vor 100 Jahren für die Freiheit ihres Vaterlandes kämpften, ist es auch unsere Pflicht, der Tapferen unseres bayerischen Heeres nicht zu vergessen. In vorderster Linie steht Maximilian Graf Arco.
Geboren zu München am 6. Januar 1772 als Sohn des Wirklichen Geheimrats Grafen Ignaz Arco, erkor er sich in frühen Jahren die Offizierslaufbahn; schon mit 15 Jahren wurde er Leutnant im damaligen Leibregiment, heutigem 10. Infanterie-Regiment, und zeichnete sich nicht nur durch seinen dienstlichen Eifer, sondern auch durch sein unermüdliches Streben nach kriegswissenschaftlicher Ausbildung aus; er betrieb mit besonderem Eifer Geschichte und Geographie und beherrschte die französische Sprache in Wort und Schrift in höchster Vollendung. Als Mitglied des Malteserordens machte er die durch die Ordenssatzungen vorgeschriebenen »Karawanen«, fünf Kreuzfahrten gegen die Korsarenschiffe der nordafrikanischen Raubstaaten mit. Nach Vollendung dieser kriegerischen Tätigkeit war er fünf Jahre auf der Insel Malta im Verwaltungsdienste tätig; großes Aufsehen erregte sein Debüt als Verteidiger, wobei er einen nach der Strenge der Gesetze zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilten französischen Ritter durch sein glänzendes Plädoyer rettete und eine verhältnismäßig nur kleine Buße erzielte. Die französischen Ritter trugen in ihrer Begeisterung den deutschen Retter ihres bedrängten Landsmannes triumphierend durch die Straßen der Stadt.
Als nach der Eroberung Maltas durch die Franzosen Kaiser Paul von Rußland den Schutz des Ordens übernahm, wurde Graf Arco vom Großmeister als Gesandter nach Petersburg geschickt, es seinen Talenten und seinem diplomatischen Geschick gelang, sich beim Kaiser in solche Gunst zu setzen, daß ihm dieser die Vertretung des Ordens am Münchner Hofe übertrug; hoch erfreut zeichnete ihn König Max Joseph durch Erhebung zum Obersten á I. s. aus.
Als im Frühjahr 1809 die Erhebung Tirols Bayerns Grenzen bedrohte, stellte sich Arco sofort dem König zu Diensten; er entwarf einen Plan zur Verteidigung der gefährdeten Grenze, der die Billigung des Königs fand, und erbot sich zur unentgeltlichen Führung des Kommandos. Am 14. Mai traf er in Tölz ein, um den Befehl über die neu organisierten Bergschützen zu übernehmen. Mit einer verhältnismäßig geringen Macht erzielte er bedeutende Erfolge; mit kaum tausend Mann hatte er die große Strecke von Tegernsee bis Murnau zu decken, und dabei ging er sogar kühn zur Offensive über. So klein sein Korps war, verhinderte er durch seine Wachsamkeit und Tatkraft mehrere Wochen die Ausfälle der Tiroler. Ruhmestage, heute leider vergessen, waren für ihn der 17. und 18. Juli; am ersten Tage galt es die über den Kesselberg vordringenden Tiroler zurückzuwerfen, was erst nach achtstündigem blutigem Kampfe gelang; der Feind wurde bis nach Wallersee zurückgeworfen. Unmittelbar von diesem Gefechtsfelde weg galt es in höchster Eile dem bei Murnau von großer Uebermacht bedrängten Hauptmann Bauer zu Hilfe zu eilen und Murnau vor Brandschatzung zu retten. Auf schnell requirierten Wagen eilten Arcos Schützen, sein Häuflein Kavallerie und ein Geschütz nach Habach, wo sie auf den Feind stießen, ihn mit beispielloser Kühnheit augenblicklich angriffen und trotz seiner Uebermacht schlugen. An 900 Mann wurden gefangen genommen, ihr Geschütz erobert. Abends 5 Uhr zog Graf Arco mit den erbeuteten Fahnen, Kanonen und Gefangenen in Murnau ein, das jubelnd seinen Befreier und Retter begrüßte. Zwei Pferde wurden dem tapferen Obersten an diesen beiden Tagen unterm Leibe erschossen. Nach diesen glücklich bestandenen Gefechten zog Graf Arco durch das Achental nach Jenbach, wo er sich mit dem in Tirol einmarschierenden Marschall Lefebvre vereinigte. Er gewann dessen volles Vertrauen, wurde von ihm zunächst zum Kommandanten der Stadt Hall ernannt und seine Erhebung zum Generalgouverneur des Eisackkreises mit dem Sitze in Brixen war bereits beschlossen. Die Ausführung wurde durch die Mißerfolge am Brenner besiegelt, Arco kommandierte beim Rückzug des Marschalls nach Innsbruck die Nachhut; seine tapfere Schar hatte hiebei den schwersten Stand und war ohne Unterlaß den feindlichen Kugeln bloßgestellt. Der Heldenmut, die Tätigkeit und Geistesgegenwart ihres Führers belebte alles. Als Lefebvre Innsbruck räumte, erhielt Arco das Kommando der Vorhut. Am 12. August Abends 9 Uhr brach er von der Wildau auf, der Marsch war verhältnismäßig wenig beunruhigt. Bei der Kreuzkapelle von Pill bei Schwaz, einer Stelle, wo sich das Gebirge dicht an den Inn drängt, fand sich die Straße durch einen Verhau gesprengt. Oberst Arco sprengte vor, um persönlich Augenschein zu nehmen, in seiner Begleitung befanden sich sein Kampfgenosse von Murnau Hauptmann Bauer und sein Adjutant Leutnant v. Villeneuve, dem erst am Brenner eine Steinlawine der Tiroler den Arm zerschmettert hatte. Kaum sind die drei Offiziere vorne eingetroffen, knallen ihnen die Schüsse aus der Kapelle und von der Barrikade herab entgegen. Hauptmann Bauer liegt unter seinem erschossenen Pferde; Oberst Graf Arco wird von einer Kugel in das Haupt getroffen und gleitet lautlos tot zur Erde. Wie eine Mahnung hat ihm schon vor zwei Tagen der Tod gedroht, als er mit seinem Pferde bei Nacht in eine tiefe Schlucht stürzte; besinnungslos wurde er heraufgezogen, erholte sich aber merkwürdigerweise rasch wieder und ließ sich trotz der schmerzlichen Prellungen nicht abhalten, den Marsch fortzusetzen und dem Tode entgegenzureiten. Die über den Tod ihres Führers erbitterten Soldaten erstürmten den Verhau, ihr Sieg erweckte den geliebten Führer nicht mehr zum Leben. Vier Tage später, am 17. August, wurde er zu München beigesetzt.
Wird sich heute jemand seiner erinnern, dankend des Heldenmutes gedenken, mit dem er sich für das Vaterland opferte? Warum ist es auch eine fremde Sprache, die hievon auf seinem Grabstein erzählt?
Heinrich Leher.
Münchner Neueste Nachrichten No 375. Freitag, den 13. August 1909.